Musikfest Eichstätt 2016 – Nachtkonzert

7. Mai 2016, Eichstätt, Rektoratskirche Peter & Paul: „Bon anniversaire, meine Herren!“ – Eine Cembalo-Soirée
Musik von Johann Jakob Froberger (1616-1667) und Matthias Weckmann (1616-1674) zu deren 400. Geburtstag. Freie stylus fantasticus-Tastenwerke und Suiten für Cembalo solo.

Nach vielen Jahren des Vergessens gab es in den letzten Jahrzehnten eine späte Rehabilitation Frobergers als der bedeutendste Komponist für Tasteninstrumente vor Bach im deutschen Sprachraum. Seine Werke waren weit verbeitet und wurden geschätzt – Pachelbel und Bach kannten seine Stücke, ja noch Mozart!
Während Froberger in Süddeutschland und Österreich lebte und arbeitete, verbrachte sein Kollege Weckmann sein Leben eher in Sachsen, Norddeutschland und Dänemark. Auf einer Reise Frobergers sollen sich beide in Dresden um 1650 begegnet sein, wie aus verschiedenen Quellen berichtet wird.

Eine Beschreibung dieses Treffens liefert uns Johann Mattheson in seiner „Grundlage einer Ehren-Pforte“, 1740, sehr anschaulich:
„Johann Jacob Froberger, Kaiser Ferdinandi Hoforganist, kam um diese Zeit nach Dresden, und brachte dem Churfürsten ein Kaiserliches Handschreiben. Mein Matthies, sprach der Churfürst heimlich zu Weckmann, wollet ihr mit Frobergern, um eine güldene Kette auf dem Clavier spielen? Von Hertzen gerne antwortete Weckmann; aber aus Ehrerbietung für Ihro Kaiserliche Majestät, soll Froberger die Kette gewinnen. Dieser, nachdem er gespielet hatte, frug gleich nach einem in der Capelle, der Weckmann heißen sollte, der wäre am Kaiserlichen Hofe sehr berühmt, und denselben mögte er gerne kennen. Weckmann stund hart hinter ihm, dem schlug der Churfürst auf die Schulter, und sagte: Da steht mein Matthies. Nach abgelegten Begrüßungen, spielte denn Weckmann auch, und führte ein Thema, das er von Frobergern beobachtet, fast eine halbe Stunde durch; darüber sich so wohl dieser, als der gantze Hof verwunderte, und Froberger zum Churfürsten mit den Worten herausbrach: Dieser ist wahrhafftig ein rechter Virtuos. Beregte beide Künstler haben hernach immer einen vertraulichen Briefwechsel geführet, und Froberger sandte dem Weckmann eine Suite von seiner eigenen Hand, wobey er alle Manieren setzte, so daß Weckmann auch dadurch der frobergerischen Spiel-Art ziemlich kundig ward.“

Die Musik von Froberger und Weckmann ist sehr unterschiedlich und doch verwandt: Beide nehmen verschiedene Strömungen auf, ihre Musik hat italienische und französische Wurzeln, und zugleich jedoch komponieren sie so individuell und suchen nach eigenen speziellen Farben und Nuancen, dass es die reine Freude ist, diese Musik für sich zu entdecken.
Genießen Sie die verrückte Welt der Tastenmusik des 17. Jahrhunderts, voller unendlich reicher Harmonien, Wendungen und von hoher Virtuosität!

Johannes Weiss, Cembalo

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