Leopold I.: Missa pro defunctis

10. März 2016, Bremen, Kulturkirche St. Stephani: MISSA PRO DEFUNCTIS – Totenmesse für die Kaiserin

Margarita Teresa teilte das Interesse ihres Gatten für die Musik, doch starb sie bereits 1673 bei der Geburt ihres sechsten Kindes. Ihr widmete der Monarch das stimmungs- volle Requiem, das auch 1705 zu seinen eigenen Exequien und noch viele Jahrzehnte danach zu seinem Gedenktag erklingen sollte.

Weser-Renaissance Bremen
Manfred Cordes (Leitung)

Politik und Kunst gelten uns heute vielfach als getrennte Welten, das war jedoch nicht immer so: Leopold I. (1640 – 1705) wurde bereits mit 18 Jahren zum Kaiser gekrönt, als zweiter Sohn Kaiser Ferdinand III. war er zunächst nicht als Thronfolger vorgesehen. Doch starb sein älterer Bruder unerwartet, und so hatte ein junger Adliger, der sich auf eine Laufbahn als Geistlicher vorbereitet hatte, ohne politische Erfahrungen die Regierungsgeschäfte zu übernehmen. Die 47 Jahre seiner Regentschaft gehören zu den längsten in der Geschichte der Habsburgischen Monarchie. Zeit seines Lebens allerdings galt Leopolds Liebe und Interesse
den Künsten und den Sprachen, insbesondere aber der Musik. Natürlich ziemte sich ein derartig intensiver Umgang mit den Musen – unser Titelbild zeigt ihn in einem Theaterkostüm – auch damals für einen Kaiser nicht, noch dazu in politisch angespannter Situation (Türkenkriege, Belagerung Wiens, Spanischer Erbfolge- krieg), und so wurden seine zahlreichen Kompositionen auch in der Musikgeschichtsschreibung nicht gebüh- rend gewürdigt.

Dass die außerordentliche Qualität der Kompositionen Leopolds nun klar beurteilt werden kann, ist einem be- sonderen Umstand zu verdanken: Jörg Jacobi, Absolvent unserer Hochschule für Künste, hat es sich im Rahmen seiner Masterarbeit zur Aufgabe gemacht ein Werk- verzeichnis herzustellen und hat aus den Wiener Archi- ven eine beeindruckende Zahl von Werken ans Tages- licht gefördert. Gemeinsam mit ihm möchte ich Ihnen in vier Konzerten einen repräsentativen Querschnitt der Werke Leopolds vorstellen.

Programm-Flyer